2010/05 Buchtipp Mai 2010 von Alexandra Kvassayová

Buchrezension Mai 2010 von Alexandra Kvassayová

GEFÜHLE LESEN – Wie Sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren

Paul Ekman

Abrisse, Deduktionen und Thesen seiner zahlreichen Studien zur Universalität der Emotionen im Gesicht von Menschen finden sich – einfach konsumierbar – in diesem Werk wieder und sollen lt. dem Verfasser dem Leser dabei helfen, ein stärkeres Bewusstsein für die eigenen und fremden Emotionen zu entwickeln, um diese besser „im Griff“ zu haben, bzw. Entscheidungen über ein besseres Handhaben treffen zu können, auch wenn er dies nicht nur aufgrund der automatischen Bewertungsmechanismen, der zur Basis gelegten inheretierten und stets erweiterten Alarmdatenbank als einen schweren Weg erachtet. Sein inhaltlicher Aufbau soll uns vorerst helfen, zu verstehen, wann wir emotional reagieren, welchen Mechanismen wir automatisch ausgeliefert sind und welchen Ursprung er diesen postuliert. Weiters geht es um das Warum und die Frage nach der Möglichkeit, die Ursachen für die Emotionen zu beeinflussen, sowie im nächsten Schritt auf das emotionale Verhalten selbst Einfluss zu nehmen. Er entdeckte, dass ein Gesicht über 10.000 Ausdrücke annehmen kann und stellt in seinem Buch die universalen Basisemotionen: Trauer, Zorn, Überraschung, Angst, Ekel, Verachtung und Freude vor, wobei er Trauer & Verzweiflung, Ärger und Zorn, Überraschung und Angst, Ekel und Verachtung und positive Emotionen kapitelweise zusammenfasst, dar. Jedes Kapitel deckt die Aspekte der Auslöser der Emotion, die Funktion des Gefühls, die pathologische Ausprägung dieses Gefühls, Übungen zur bewussten Wahrnehmung dieses Gefühls, Fotografien (seine Tochter Eve stand Modell für die diversen Gesichtsausdrücke und wird in diesem Buch zum Träger der beschriebenen universalen Emotionen), die auf der Basis von Muskelkontraktionen erläutert werden und ein besseres „Ablesen“ der Emotionen aus dem Gesicht ermöglichen sollen und zuletzt Hinweise und Ratschläge, wie mit dem Wissen über die Emotionen in diversem Umfeld umgegangen werden kann. Im Anhang findet sich für Interessierte ein Test, um das erworbene Wissen zu testen oder aber ungeachtet des Gelesenen seine Fähigkeit zur „Gesichtsausdruck-Dekodierung“ zu prüfen, indem man aus den Fotografien von Eve die Emotionen bestimmt.

Bemerkung zum Buch von Alexandra Kvassayová: Der Nachweis der Universalität von Gesichtsausdrücken wird in seinem Buch in mehreren Etappen und auf vielfache Art als belegt beschrieben und erläutert. Er kommuniziert seine Prozessschritte beziehungsweise selbst die – laut seinen heutigen Theorien – korrigierten/revidierten Thesen (z.B. dass das emotionale Ausdrucksverhalten kulturspezifisch und ausschließlich angelernt ist), schafft Transparenz und schneidet andere Forschungsarbeiten und Sichtweisen an, wobei er diese und seine eigenen nicht immer mit einer wissenschaftlichen Stringenz negiert oder als bestätigt kommuniziert. Als schwierig – dem wissenschaftlichen Aufbau entsprechend – empfand ich die Terminologie, die er bereits in den ersten Kapiteln wählt, jedoch erst in weiteren Kapiteln mit der Kausalität und den dahinter liegenden Thesen belegt, was das chronologische Lesen und die Erwartung der Wissenschaftlichkeit für mich anfangs schwieriger zum Nachvollziehen und unbefriedigend machte. Als ein Starter zum Thema Emotionen, der Universalität der Gesichtsausdrücke und dem Beschäftigen mit den eigenen Bewusstseinsfähigkeiten in diesem Kontext ist dieses Werk für mich, nach Korrektur der Erwartungshaltungen, nicht zuletzt aufgrund seines einfachen Konsums & der bildgebenden Transparenz eine gute Alltagslektüre.

 

Autor: Paul Ekman (geb. 1934 in Washington D.C.) ist Professor emeritus für Psychologie an der University of California in San Francisco, Emotionsforscher und Psychologe und vor allem durch seine Forschung im Bereich der nonverbalen Kommunikation bekannt. Bekanntheit erlangte er nicht zuletzt durch seine ethnologischen Studien zur Universalität von emotionalen Gesichtsausdrücken und deren Klassifizierung – durchgeführt z.B. auf Papua-Neuguinea. Nicht zuletzt aufgrund seiner Arbeit Facial Action Coding System (FACS), die eine umfangreiche Sammlung von Texten und Fotografien zu Muskelkontraktionen, deren Kombinationen im Gesichtsbereich und die daraus resultierenden Gesichtsausdrücke abbildet, wurde er in junger Vergangenheit mehrmals von der amerikanischen Regierung als Experte im Rahmen von Terrorismus- und Kriminalermittlungen zu Rate gezogen.

 

Weitere Veröffentlichungen: Ekman veröffentlichte 13 weitere Bücher, die meist das Thema der Gefühle, Emotionen, Gesichtsausdrücke und des Verhaltens behandeln, sowie Artikel und Kapitel in Fachbüchern desselben Themengebietes. Ebenso erstellte er gemeinsam mit seinem Kollegen W.V. Friesen eine physiologisch orientierte Klassifikation der emotionalen Gesichtsausdrücke, das Facial Action Coding System (FACS) auf, dass nicht nur im Bereich der Psychotherapie und der Verhaltensforschung angewendet wird. Auszug:

 

Gefühl und Mitgefühl, Emotionale Achtsamkeit und der Weg zum seelischen Gleichgewicht. Ein Dialog. Dalai Lama XIV., Paul Ekman; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 2009, ISBN-13: 978-3-8274-2117-3

Weshalb Lügen kurze Beine haben. Über Täuschungen und deren Aufdeckung im privaten und öffentlichen Leben. Paul Ekman; De Gruyter, Berlin, New York, 1989, ISBN 3-11-011733-9

Gesichtsausdruck und Gefühl : 20 Jahre Forschung von Paul Ekman. Paul Ekman; Junfermann, Paderborn 1988, ISBN 3-87387-280-3

Warum Kinder lügen / Paul Ekman. Mit Beitr. von Tom Ekman und Mary Ann Mason Ekman. Paul Ekman, Tom Ekman, Mary Ann Mason Ekman; Hoffmann und Campe, Hamburg 1990, ISBN 3-455-08369-2

Gesichtssprache : Wege z. Objektivierung menschl. Emotionen. Paul Ekman; Wallace V. Friesen; Phoebe Ellsworth. Böhlau, Wien, Köln, Graz 1974, ISBN 3-205-07103-4

 

Paul Ekman – Gefühle lesen
2004, Spektrum Akademischer Verlag, München

2. Auflage März 2010
ISBN 978-3-8274-1858-6